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Autonomiephase

KiTa-Zeitung 'Blitzlicht'

In dem nun folgenden Artikel möchten wir auf einen wichtigen Schritt in der Entwicklung eines Kindes eingehen: der Autonomiephase, auch Trotzphase genannt.

Die Autonomiephase, beginnt meistens zum Ende des 2. Lebensjahres und klingt im Laufe des 4. Lebensjahres ab.

Heute wird vorrangig der Begriff Autonomiephase verwendet, da in diesem wichtigen Entwicklungsschritt die Loslösung aus einer sehr engen Beziehung gesehen wird.

(Dies ist meistens die Person, die die engste Bindung und den größten Betreuungszeitraum mit dem Kind hat.)

In dieser Phase verändert sich das Selbstempfinden des Kindes, es kann sich jetzt als eigenständige Person, mit eigenen Gefühlen und eigenem Willen, sehen (etwa zwischen dem 18- 24 Lebensmonat).

Das Kind entwickelt eine klare Vorstellung davon, was es möchte und will nun eigene Entscheidungen treffen. Es entdeckt seinen eigenen Willen. Gleichzeitig merkt es aber auch, dass es diesen Willen nicht jederzeit, aus welchen Gründen auch immer, durchsetzen kann.

 

Der Trotz ist Mittel zum Zweck, er hilft dem Kind selbständig zu werden.

 

Dies bedeutet, dass das Kind in dieser Phase oft in Wut gerät. Es schmeißt sich auf den Boden, schreit, reagiert mit einem deutlichen „NEIN“ auf viele Anfragen und verweigert jede Kooperation. Das Kind gerät schnell aus der Fassung und kann sich gar nicht mehr gedulden. All diese Reaktionen können auftauchen auch wenn es vielleicht nur gefragt wurde, ob es etwas warten kann. Auch Hilfsangebote eines Erwachsenen können ebenfalls beim Kind eine Trotzreaktion hervorrufen.

 

Wichtig ist zu verstehen, was in diesen Situationen im Kind vorgeht.

 

Das Kind gerät nun in eine extreme Gefühlssituation, es kann seine Wut nicht mehr bewusst steuern oder kontrollieren, es agiert eher automatisch und reflexartig.

Sein ganzer Wille ist auf die Erfüllung seines Zieles ausgerichtet. Das Kind kann es einfach nicht verstehen oder verkraften, warum es dieses Ziel nicht erreichen kann oder darf.

Es gerät darüber in ohnmächtige und verzweifelte Wut. Das Gefühl der Frustration wird so groß, das es sich ein Ventil suchen muss. Es merkt nicht einmal, dass es sich damit meist selbst in eine Sackgasse manövriert, aus der es oft selbst nicht wieder herauskommt.

Deshalb wird diese Phase auch als kritische Entwicklungsphase beschrieben, in der die Entwicklung der Kinder geschwächt oder beeinträchtigt werden kann.

In dieser Zeit ermüdet das Kind häufig sehr schnell und kann sich oft nur sehr schlecht konzentrieren.

 

Handlungsmöglichkeiten

 

Es gibt verschiedene individuelle Möglichkeiten das Kind in dieser kritischen Phase zu unterstützen. Ein Patentrezept gibt es aber leider nicht!

 

Als ersten wichtigen Schritt sollten wir versuchen die Verzweiflung und die Hilflosigkeit des Kindes wahrzunehmen. Verständnis für seine Situation zu entwickeln und das Kind auch in dieser Phase anzunehmen, sind zur Unterstützung dieser Entwicklungsphase bedeutsam. Sätze wie: „Ich sehe gerade, dass du ganz wütend bist, weil...“, können dem Kind schon sehr helfen. Der Erwachsene spiegelt dem Kind, dass seine emotionale Befindlichkeit „gesehen“ wird.

Wir sollten generell versuchen in dieser, auch für den Erwachsenen schwierigen Situation, wertschätzend mit dem Kind umzugehen. Echtheit und Empathie zu zeigen, sind dabei hilfreiche Faktoren.

 

Das Kind möchte in dieser Situation Aufmerksamkeit, Zuwendung, Trost, Nähe oder auch mal Distanz erfahren…und manchmal leider alles auf einmal!

 

Deshalb kann es wichtig sein während dieser Situation präsent und gleichzeitig passiv zu bleiben, bis wir wissen was das Kind gerade braucht.

Wir sollten aber auch versuchen seine Wut auszuhalten, ohne es immer abzulenken, bis sich das Kind etwas beruhigt hat. Wir vermitteln dem Kind so Zuversicht, selbst mit dieser Situation zu recht zu kommen. Gleichzeitig zeigen wir mit dieser Haltung, dass das Kind wütend sein darf und auch negative Gefühle zum Ausdruck bringen darf (Gefühle zeigen ist erlaubt).

Dass das Kind nicht immer seinen Willen durchsetzen kann und sollte, ist ebenfalls sehr wichtig. Wir sollten dem Kind aber auch die Möglichkeit geben seinen eigenen Willen auszutesten und mit dem Kind (oder auch alleine) Kompromisse finden.

Eine Balance zu finden ist erstrebenswert, ist aber nicht immer so einfach.

 

Nach einer „ohnmächtigen Wut“ des Kindes kann es hilfreich sein, Situationen mit dem Kind zu reflektieren. Wir sollten versuchen die Situation zu erklären und Lösungsstrategien zu finden, die wir für das Kind versprachlichen.

Wir sollten bestehende Regeln überprüfen und zwischendurch problematische Situationen einfach mal vermeiden.

So können wir einen Grundstein legen, der für das spätere Leben enorm wichtig ist:

Der Umgang mit Konflikten, Autoritäten und negativen Gefühlen sowie Konfliktlösungsmöglichkeiten (Umgang mit Spannungen und negativen Gefühlen).